Smarte Gebäude für heisse Zeiten

Die Schweiz schwitzt. Nach mehreren Tagen mit Temperaturen weit über 30 Grad werden überhitzte Räume für viele Menschen zur Belastung. Wie gelingt es modernen Gebäuden, auch bei extremer Hitze angenehme Temperaturen zu halten? 5 Fragen an Reto Decurtins, Managing Director Automation bei der BKW Building Solutions und Geschäftsführer der Sigren Engineering.

Leistungs­erbringer

Wie hilft smarte Gebäudeautomation dabei, Gebäude auch an Hitzetagen angenehm kühl zu halten?

Reto Decurtins: Ein automatisiertes System arbeitet vorausschauend statt reaktiv. Es kennt den Sonnenstand, die Raumtemperaturen, die Belegung und die Wetterprognose und greift ein, bevor sich das Gebäude aufheizt. So werden Beschattung, Lüftung und Kühlung optimal gesteuert: Die Beschattung verhindert, dass Wärme überhaupt ins Gebäude gelangt, die kühle Nachtluft wird gezielt genutzt und die Kühlung kommt nur dort zum Einsatz, wo sie tatsächlich nötig ist. 

Das Resultat ist eine stabile Innentemperatur bei deutlich geringerem Energieverbrauch. 

Warum müssen Beschattung, Lüftung und Kühlung als Gesamtsystem funktionieren?

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den einzelnen Komponenten, sondern in ihrem Zusammenspiel. Moderne Gebäude verfügen zwar fast immer über Sonnenschutz, dessen Potenzial wird aber oft nicht vollständig genutzt – etwa durch manuelle Übersteuerungen oder eine unzureichende Regelung. Im optimalen Fall arbeiten Beschattung, Lüftung und Kühlung mit einer gemeinsamen Logik zusammen. Die Beschattung reagiert automatisch auf Sonnenstand und Wärmelast, die Nacht wird zur kostenlosen Auskühlung genutzt und die Kühlung übernimmt nur die Feinregulierung.

Die Grundidee gilt auch ohne Automation: Wer Storen und Fenster zur richtigen Zeit nutzt, kann die Aufheizung eines Gebäudes bereits deutlich reduzieren. Die grössten Hebel liegen oft darin, Wärme gar nicht erst ins Gebäude zu lassen und die kühleren Nacht- und Morgenstunden gezielt zu nutzen.

Der Komfort steigt und der Energieverbrauch liegt in der Praxis oft 20 bis 40 Prozent tiefer.

Reto Decurtins, Managing Director Automation BKW Building Solutions & Geschäftsleiter Sigren Engineering

Wo wird während einer Hitzewelle häufig unnötig Energie verschwendet?

Typische Fehler sind hochgefahrene Storen bei gleichzeitig laufender Kühlung, geöffnete Fenster in klimatisierten Räumen oder zu tief eingestellte Solltemperaturen. Im Sommer sind 24–26 °C (oder noch höher bei sehr heissen Tagen) völlig komfortabel. Auch leere Räume oder ganze Gebäudeteile werden oft unnötig gekühlt, während die kostenlose Nachtauskühlung ungenutzt bleibt.

Gebäudeautomation verhindert solche Situationen durch intelligente Steuerung: Sie berücksichtigt Fensterkontakte, Belegung, Zeitprogramme und Temperaturvorgaben und sorgt dafür, dass nur dort gekühlt wird, wo es tatsächlich notwendig ist.

Können Gebäude dank Wetterdaten schon heute auf anstehende Hitzetage reagieren?

Ja. Moderne Gebäudeautomation kann Wetterprognosen nutzen und bereits am Vorabend erkennen, dass ein Hitzetag bevorsteht.

Die Steuerung nutzt dann die Nacht zur gezielten Auskühlung und lädt die thermische Speichermasse des Gebäudes für den nächsten Tag «kalt» auf. Diese sogenannte prädiktive Regelung gehört in modernen Gebäuden bereits heute zum Standard.

Der begrenzende Faktor ist meist nicht die Technik, sondern ob bei der Planung jemand daran gedacht hat, diese Intelligenz auch zu aktivieren.

Sigren Engineering AG – Lösungen für komplexe Automationssysteme, betriebskritische Anlagen und Energiesysteme

Sigren Engineering AG – Lösungen für komplexe Automationssysteme, betriebskritische Anlagen und Energiesysteme

Wie sehen hitzesichere Gebäude der Zukunft aus?

Sie kombinieren intelligente Steuerung mit einer guten Bauphysik: automatisierter Sonnenschutz, begrünte Dächer und Fassaden, Speichermassen sowie effiziente Kühl- und Lüftungssysteme.

Gebäude werden künftig Wetterdaten, Belegung und verfügbare Energie noch stärker berücksichtigen und sich aktiv auf Hitzewellen vorbereiten.

Die Vision ist ein Gebäude, das die Hitzewelle weitgehend selbst wegorganisiert, statt sie mit brachialer Kälteleistung zu bekämpfen.

Expertennetzwerk

Die BKW Building Solutions ist als Installations- und Technologieanbieterin mit ihrem Expertennetzwerk in der Lage, Kundinnen und Kunden mit Lösungen und Komponenten zu versorgen, welche aufeinander abgestimmt, individuell, miteinander kompatibel und stetig erweiterbar sind. Mit diesem Ansatz sind auch künftige Trends und veränderte Bedürfnisse kein Hindernis für einen erfolgreichen Übergang in eine umweltfreundlichere Zukunft.

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